Kurs Risikoanalyse

Geschrieben von Marcel Delachaux am .

 

 

Einmal mehr konnten wir die Gastfreundschaft der Firma PHOENIX CONTACT AG in Tagelswangen geniessen. Der Raum war bis und mit den zusätzlichen Stühlen voll besetzt. Ältere, junge, gut ausgebildete Sicherheitsberater, sowie auch noch welche in der Ausbildung, warteten gespannt auf den Beginn der Weiterbildung.
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Der Grund dafür ist eigentlich nicht wirklich etwas Überraschendes oder etwas ganz Neues. Trotzdem, verursacht eben diese unterschätzte Risikoanalyse in der Praxis immer wieder heisse Diskussionen, grosse Kontrollberichte mit teuren Instandstellungskosten und eigentlich unnötige Gerichtsfälle.

Um das unheimliche unbeliebte und wie man so im Felde hören kann, unnötige und nur teure Thema etwas zu entwirren, fragte ich bei Herrn Andy Caplazi, dem Aus- und Weiterbildungsverantwortlichen und Produktemanager TRABTECH,
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der Firma PHOENIX CONTACT AG nach, ob er bereit wäre, die bestehenden Normen und Vorschriften zusammenzufassen und diese dann so allgemeinverständlich wie nur möglich in etwa Spielfilmlänge vorzutragen.

Wenn man es mit ihm nicht zeitlich begrenzt, so kann er ohne dass es eine Minute davon langweilig währe, 8 Stunden am Stück über das Thema referieren.

Und wer Andy Caplazi bereits kennt, der weiss, dass er das kann und wie er das macht! Allen anderen, ja die haben wirklich wieder einmal etwas Eindrückliches verpasst.
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Es wäre aber durchaus möglich auch für andere Sektionen, diesen spannenden und unterhaltsamen Kurs, den es ja jetzt, wie man so schön zu sagen pflegt, Pfannenfertig bereits gibt, mit Andy Caplazi neu aufzugleisen und zu wiederholen. Und wenn ihr dann noch die euch bekannten Planer/innen und Installateure/innen einladet, dann kommt es wirklich gut.

Zur besuchten Weiterbildung kann ich Euch folgendes schreiben, natürlich stark zusammengefasst und nicht ganz so fesselnd.

Ja, die NIN 2015 und auch die vorangegangene Versionen, teilen es uns mit schwarzer Schrift unmissverständlich mit, dass nicht alle verwendeten Bauteile, die wir auf dem Markt erhältlich sind und die wir mit dem Netz fest oder provisorisch verbinden, alle Formen von Spannungen überleben. Gerade die Überspannungen, die in der Höhe den Sinus der Grundversorgung etwas übersteigen, sind vorausschauend zu prüfen und zu beherrschen.
Denn, wenn diese Spannungsspitzen dann über die verschiedenen installierten Kabel, in unterschiedlich überhöhten Formen, die angeschlossenen Printplatten gemeinsam begrüssen, erstellen deren Leiterbahnen nur allzu gerne den resultierenden Potenzialausgleich.
Dass dieser Potenzialausgleich in Form von einem springenden Funken realisiert wird, der natürlich etwas wärme, oder besser geschrieben grosse Hitze mit sich bringt, ist noch nicht allen beteiligten auf dem Markt richtig bewusst oder sie verdrängen es. Aber gerade diese kurzzeitig hohe Hitze zerstört das elektronische Bauteil. Wenn wir uns jetzt etwas konzentrieren und überlegen, wo wir solche Bauteile mit Printplatten einsetzen, dann wäre es möglich, dass wir folgende Anlagen aufzählen könnten.

Brandmeldeanlagen, Alarmanlagen, Feuerwehraufzugssteuerungen, Zentralen der Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, Not- Flucht- Sicherheitsbeleuchtungsanlagen, Ersatzstromanlagen und so weiter…….

Zur Erinnerung, wir bauen diese Anlagen zur Sicherheit der Personen ein, die sich in einem solchen Gebäude befinden und die bei einem Ereignis (z.B. einem Blitzeinschlag auf die Fangleiter auf dem Dach) durch das Funktionieren eben dieser Anlagen, damit ihr Leben retten können.

Wenn jetzt aber, durch ein solches Ereignis, die entstandenen Überspannungen, die Steuerungschips auf den Printplatten abräumen / zerstören, dann funktionieren diese Sicherheitsrelevanten Anlagen genau dann nicht, wenn wir sie dringend benötigen, um Leben zu retten oder Sachen und Anlagen zu schützen.

Resultierend aus diesen Erkenntnissen, wäre auf der Basis der Risikoanalyse aus der EN 62305-2 folgendes zusammenzufassen.
Wenn in einer Anlage / Liegenschaft eine sicherheitsrelevante Installation vorhanden ist, muss diese durch ein komplettes installiertes Überspannungskonzept geschützt werden.
Dabei sind nicht nur die richtigen Ableiter an der richtigen Stelle zu positionieren, sondern auch die Kabelführung ist so zu wählen, dass ungewollte Einkopplungen der verschiedenen Zonen vermieden werden.

In einer Anlage ohne sicherheitstechnischen Einrichtungen müssten die Sachwerte geprüft und mit dessen Besitzer besprochen werden.
Z.B. verfügt ein Zweifamilienhaus nicht zwingend über eine sicherheitstechnische Einrichtung. Hat sich aber im 2.OG eine Firma Max Muster eingemietet, die sich im kleinen Zimmer hinten rechts, ein Rack mit Surfern eingerichtet hat, welche in der Schweiz und den angrenzenden Ländern ca. 555 Lastwagen anweisen, wo sie laden, liefern und abladen müssen. Und diese Fahrzeuge dann bei einer einlaufenden Überspannungswelle auf die Surfer, ca. 24 Stunden stillstehen, so wäre es dem Besitzer sicher Recht angenehm, wenn die gesamte Elektroanlage mit dem entsprechenden, umgesetzten Überspannungskonzept geschützt wird.

Eine Anlage ohne eine sicherheitstechnische Einrichtung, Tiere oder Sachwerte muss nicht zwingend geschützt werden. Die Entscheidung ob wir auf den Einbau der Überspannungsableiter verzichten können, liegt aber nicht beim Planer oder Installateur, sondern immer beim Besitzer der Anlage. Analog wie der Entscheid einer elektrobiologisch optimierten Elektroinstallation.