Niedervoltbeleuchtungen

Geschrieben von Hans-Ruedi Leutenegger am .

Sind Niedervoltbeleuchtungen mit konventionellen Eisenkern Trafos eine Zeitbombe?
Was passiert wenn in einer Niedervolt Beleuchtung ein Kurzschluss entsteht?


Gedanken über den Einsatz von Konventionellen Eisenkern Transformatoren für Niedervolt Beleuchtungs Anlagen.
In letzter Zeit habe ich bei periodischen Kontrollen gleich mehrmals hintereinander „Kriminelle“ Niedervolt-Beleuchtungsinstallationen bei Kunden angetroffen.

Hier einige Beispiele:

  • Ein 100VA Trafo und Sekudärseitig eine Tlf 2 x 0.75 mm2 Kabel Verdrahtung von Lämpli zu Lämpli.
  • Ein 300VA Trafo und Sekudärseitig bis zur "Seilbähnli Installation“ als Verlängerung ein Td Kabel 2 x 1.0 mm2
  • 2 Trafos à 100 VA parallel geschaltet ! und Sekundärseitig ein Kabel 2x 0.75 mm2

Diese drei Beispiele waren seit Jahren in Betrieb und funktionierten soweit gut da die Trafos nicht voll belastet waren. Was aber in einem Kurzschlussfall oder wenn beim Lampenwechsel Glühlampen mit grösserer Leistung eingesetzt würden, passieren könnte, konnten sich die Kunden nicht vorstellen.

Und dann noch dies: (Von einem Ing. mit Fachkundigkeit installiert)

  • Ein 500VA Trafo ! und sekundärseitig eine Leitung 2x 0.5 mm2 ! für Einbaulämpli in Hohldecke vorbereitet. Der Elektriker welcher nur noch die Lämpli hätte montieren sollen hat zum Glück die Installation zuerst „saniert“ und sie erst dann in Betrieb genommen.

Ein Test:

In einem Kurs bei Bruno Calamia hat er einen 300 VA Trafo Sekundärseitig nach ein paar Meter Leitung kurzgeschlossen. Das in den Sekundärstromkreis geschaltete Zangenampéremeter zeigte gut 300A ! an. Das im Trafo eingebaute Bimetall löste nicht aus.

Mit der Installation von NV-Beleuchtungsanlagen verhält es sich im Kurzschlussfall ähnlich wie in Niederspannungsanlagen. Je weiter weg vom Trafo der Kurzschluss eintritt, je dünner die Leitung ist, desto kleiner ist der Kurzschlussstrom welcher das Sicherheitselement beim Transformator ansprechen lässt. Im ungünstigsten Fall löst das Sicherheitselement nicht aus und die Leitung überhitzt sich oder beginnt zu Glühen.

Niedervoltbeleuchtungen installieren, ein Kinderspiel.
Niedervolt Beleuchtungen erfreuten sich immer mehr Beliebtheit. Die Einzelteile können überall gekauft und dass die Spannung ja nur 12 Volt beträgt (also „Isebähnli Strom“) wagen sich auch Laien, welche nicht so viel Ahnung vom Strom haben an die Selbstinstallation.

Auch sind sich, wie die Erfahrung zeigt, selbst die Elektroinstallateure nicht immer der potenziellen Gefahr welche von der installierten Kleinspannungs Starkstrom installation ausgeht bewusst. Die Transformatoren welche angepriesen werden sind oft sehr gut und manchmal auch für direkten Einbau in Möbelstücke vorgesehen. Natürlich liegt bei jedem Trafo auch eine genaue Beschreibung bei, welche auch über den verlangten Querschnitt und die maximale Länge der Sekundärleitung Auskunft gibt. Es gibt auch genau auf einander abgestimmte Systeme zu kaufen. Da ist der Leitungsquerschitt und die Länge der Leitung genau berechnet damit im Kurzschluss- oder Überlastfall auch das entsprechende Schutzelement im Trafo ansprechen kann. (Primärsicherung, Sekundär Sicherung, Übertemperatur-Schutz)

Nun, in der Praxis wie man aus den obigen Beispielen sieht, ist es oft ganz anders. Oft reicht die mitgelieferte Leitung nicht aus und der Laie oder Fachmann hilft sich mit einer Verlängerung oder mit dazu gekauften Seilen reicht es auch noch die Beleuchtungsanlage „um die Ecke“ zu verlängern. Im VSEK INFO No. 85/2000 hat Bruno Calamia von einem fast Brandfall berichtet.

Am Schluss stellt er einen Stromwächter vor, welcher in die Primärleitung, also dem Trafo vorgeschaltet werden kann und den Transformator inklusive der angeschlossenen Last überwacht. Mich hat die Sache interessiert und ich habe bei mir Zuhause einen solchen Stromwächter installiert. Es gibt verschiedene Typen z.B. 60 – 300VA . Die Installation ist sehr einfach und der Preis günstig ca. Fr.60.- Nach der Installation wird die Beleuchtung eingeschaltet und der Wert mittels Speichertaste gespeichert. Verändert sich die angeschlossene Last +/- 40 W schaltet das System ab. Also eine Abschaltung erfolgt bei Kurzschluss, Über- oder Unterlast. Nach beheben des Fehlers ist das System wieder betriebsbereit. Das ganze ist auch Dimmbar. Durch den Einbau des Stromwächters konnte ich sogar den 105VA Trafo (I=P/U 3x 35W = 105W / 12 Volt = 8.75A) abgangsseitig mit nur 1.5 mm2 verdrahten und nicht wie auf der Beschreibung des Trafos verlangt, mit 2.5mm2.

Im SEV Info No. 2013 / 2013.1 werden bezüglich NV- Installation nur einige Hinweise und Empfehlungen abgegeben.

Hier meine Frage in die Runde:
In Anbetracht der vielen Praxisbeispiele, welche Ihr Kollegen sicher auch ergänzen könntet, wäre da nicht eine klare Stellungnahme vom ESTI in Sachen Brandschutz von Nöten. Worin generell der Kurzschluss- und Überlastschutz mittels Stromüberwachung bei NV- Systemen klar gefordert wird?