Kalibrieren, rechtliche Aspekte und Verantwortung

Geschrieben von Hans-Ruedi Leutenegger am .

Ich möchte hier einige Gedanken über das Thema Kalibrieren weitergeben. Laut NIV müssen unsere Messgeräte kalibriert sein. Wer kontrolliert das? Wer fordert mich auf mein Messgerät zu kalibrieren? Wie oft muss denn mein Messgerät kalibriert werden? Warum ist denn das so wichtig?

Ein Fallbeispiel:

In einer Tiefgarage wird bei der periodischen Kontrolle der Ik an der letzten Steckdose gemessen und zeigt das erfreuliche Resultat von 140A an; vorgeschaltet ein LSC 13A. Also alles ok.

Kurz darauf passiert durch ein fehlerhaftes Gerät, welches eingesteckt wurde, ein tödlicher Unfall an dieser Steckdose. Die Untersuchungen ergeben, dass die Nullungsbedingungen 0.4 sec. an dieser Steckdose bei weitem nicht eingehalten wurden. Der letzte SINA wird hervorgeholt und der betreffende Kontrolleur muss seine Arbeit rechtfertigen. Bei Messvergleichen stellt sich heraus, dass das vom Kontrolleur benutzte Messgerät falsch gemessen hat, da es seit längerer Zeit nicht mehr kalibriert wurde. Der tatsächliche Kurzschlussstrom ist viel tiefer. Es wird den Untersuchungsrichter nicht gross beeindrucken, wenn dieser betreffende Kontrolleur einfach sagt, dass ihn niemand aufgefordert habe sein Messgerät zu kalibrieren.

Bei diversen Weiterbildungskursen und Tagungen welche ich in letzter Zeit besucht habe wurde immer mehr klargestellt, dass wir Kontrolleure eine grosse Verantwortung haben und uns nicht mehr immer vorgeschrieben wird was wir zu tun haben. In den Normen und Verordnungen steht nicht mehr so ganz genau wie, wo, was, wer tun soll. Vielmehr sind die Normen eben Normen und eine Norm gibt eben an in welchem Rahmen etwas sein soll. Wie diese Norm dann umgesetzt wird, verlangt von den Umsetzern und denjenigen welche die Umsetzung überprüfen, viel Verantwortung, Fachwissen und Selbstbewusstsein.

Viele jammern über die neue NIV und die Normen. In allen möglichen Veranstaltungen, Internetseiten und Blättern werden gescheite und dumme Fragen über die NIV und NIN gestellt. Mir scheint wir müssen vom pingeligen „Vorschriftenangsthasen“ oder „Erbsenzähler“ zum verantwortungsvollen, selbstbewussten Fachmann mutieren, welcher zu einer getroffenen Entscheidung auch stehen und sie begründen kann. Wir müssen uns unserer Verantwortung bewusst sein und unsere Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verrichten. Leben wir die neue Verordnung und halten wir uns an die Normen. Anstatt zu jammern ist es besser, sich ganz mit der neuen Situation zu identifizieren. Das bedeutet auch an den Weiterbildungsangeboten teilnehmen, sich mit der Materie auseinandersetzen und die wichtigsten Zeitschriften und Infoquellen nutzen.

Nun zum Schluss noch ein paar Antworten auf die eingangs gestellten Fragen: (die Fragen hatte ich mir auch selber gestellt und bei den zuständigen Stellen abgeklärt)

  • Messgeräte müssen kalibriert werden. (NIV Art. 27)
  • Die periodische Kalibrierung erfolgt auf eigene Verantwortung.
  • Sie richtet sich je nach Häufigkeit und Einsatzumgebung.
  • Die Herstellerfirma des Messgeräts kann Auskunft geben.